Projekt P 76 - IRPAA - Institut für kleinbäuerliche Landwirtschaft


Land ist die Grundlage des Überlebens mit dem semiariden Klima.

Im Herbst 2002 hatte sich CAMPO LIMPO spontan bereit erklärt, dem Institut für kleinbäuerliche Landwirtschaft EUR 1.000.- für ein dringend notwendiges Gutachten zum Nachweis der rechtmäßigen Ansprüche der Kleinbauern in einem Landkonflikt zur Verfügung zu stellen. Großgrundbesitzer hatten sich rund 10 000 ha Land angeeignet, das seit Generationen von Kleinbauern verschiedener Dörfer als Gemeinschaftsweide benutzt worden war. Nach siebenjährigem Gerichtsprozess konnte der Zugang zur Gemeinschaftsweide dank des Einsatzes von IRPAA und der Finanzierung durch Campo Limpo für die Dorfgemeinschaften erkämpft werden. Der Strafprozess wegen des in diesem Zusammenhang erfolgten Überfalls auf Kleinbauern mit 4 Schwerverletzten dauert dagegen weiter an. Diese Verschleppungstaktik der brasilianischen Justiz ist mit ein Grund für die nach wie vor gängige Gewalt gegen Kleinbauern, Vertreibung und Landraub. Bei der Zusammenarbeit mit IRPAA geht es um die Existenz der kleinbäuerlichen Gesellschaft, auf ihr Recht auf Grund und Boden sowie auf ihr Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde und die Unantastbarkeit ihrer Gesundheit und Menschenwürde.
Das Institut ist eine gemeinnützige Organisation in Juazeiro im Bundesstaat Bahia im Zentrum der semiariden Region Brasiliens. Seit fast 20 Jahren entwickelt das Institut eine technisch - pädagogische Zusammenarbeit mit der kleinbäuerlichen Bevölkerung, aufgebaut auf neue klimagerechte Wirtschafts- und Lebensformen zum Überleben im semiariden Klima. Die semiaride Region ist ein lebenswerter Raum sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht. Um eine stabile Produktivität zu garantieren, müssen die Kenntnisse der Familien jedoch praktisch und theoretisch erweitert werden. Das ganzheitliche Entwicklungsprogramm des Institutes nach den Prinzipien eines klimagerechten Zusammenlebens sichert den Familien nicht nur das Überleben sondern auch einen über den Eigenbedarf hinausgehenden Ertrag in der semiariden Region im brasilianischen Nordosten. Damit kann die Flucht von Kleinbauern aus dieser Region gestoppt werden. Grundlagen dieser Entwicklung sind insbesondere die Sicherung der Wasserversorgung über die regelmäßig wiederkehrende Trockenperiode von 8 Monaten mit Hilfe von Zisternen, Staubecken (auch unterirdisch), Regenerierung alter Quellen und Errichtung von kleinen Brunnen insbesondere für Notfälle. Dazu gehört aber auch die Nutzung der naturgegebenen Ressourcen, wie Früchten, wasserspeichernden Pflanzen und Kleintierhaltung, was bisher alles von den maßgeblich Verantwortlichen nicht berücksichtigt wird. Es geht um die Entwicklung alternativer Landwirtschaft, in die sowohl althergebrachte und lange vergessene Methoden als auch ganz neue technische Entwicklungen einfließen.
Auszug aus IRPAA - Jahresbericht 2012:
Die in der Verfassung von Bahia verankerten Gemeinschaftsweideflächen für Kleinbauern
sind der Regierung des Bundesstaates ein Dorn im Auge, sie hat einen Gesetzesvorschlag erarbeitet, in dem die Gemeinschaftsweiden und damit die Existenz der traditionellen Familien in Frage gestellt werden. Der Vorschlag sieht kleine Parzellen für den Ackerbau vor und keine Weideflächen für die Tiere. Es sollen neue Häuser in sogenannten Agrovillas entstehen. Soziale Gruppen und Organisationen waren sich einig, dass der Gesetzesvorschlag nur dazu dient, landwirtschaftliche Großprojekte oder Erzabbau auf diesen Flächen durchzusetzen.

Die Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit mit den Familien ist mühsam und erfordert großes Engagement. Liebe Freunde, liebe Freundinnen von Campo Limpo, durch Eure Unterstützung und Solidarität war es möglich, Arbeiten zur Stärkung der Familien traditioneller Landgemeinden auszuführen. Unsere Aktivitäten bestanden vor allem in Besuchen der Familien, Treffen, Schulungen und Seminaren. Versammlungen und Seminare mit Vertretern sozialer und umweltorientierter Organisationen sind ebenso notwendig wie Zusammenkünfte mit Regierungsorganisationen, die verantwortlich für die Landfrage sind.

Aber es geht auch um den Erhalt des Bioms „Caatinga“. Die Menschen und die einzigartige Savannenlandschaft brauchen eine Entwicklung zur Verbesserung des Schulunterrichtes, der Tierhaltung, der landwirtschaftlichen Produktion, der Verarbeitung von heimischen Produkten und deren Vermarktung, Gesundheitsversorgung, Transportmöglichkeiten, Energie und Kommunikation, damit in Dürrezeiten als Ausweg nicht nur die Migration in die Großstädte bleibt. Darüber hinaus wurde eine Kampagne gegen den Amtsmissbrauch der Justiz und gegen die ständigen groben Menschenrechtsverletzungen gestartet.

“...dann behauptest Du also, dass der
Großgrundbesitz die brasilianische Bevölkerung ernährt?
...erzähl mir mehr darüber, Eukalyptus und Zuckerrohr
3 mal am Tag und 7 Tage in der Woche zu essen......

Projektbegleitung für Campo Limpo - Solidarität mit Brasilien e. V.: Horst Kühnle

Stand: August 2013

PDF Datei: IRPAA - Institut für kleinbäuerliche Landwirtschaft

 
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